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Und manchmal

brennt in mir dieser stumme Schrei

wenn der Regen kommt

und der Anzugmensch auf der Parkbank

die Krawatte schiefträgt

und er klammert sich an seine Laptoptasche

einsam

und er schaut mit einem ganz traurigen Blick in die Ferne

und es zerreißt mein Herz in stiller Qual

weil es manchmal nichts Traurigeres gibt

 

Man kann nicht werden

was man nicht ist.

Man kann nur dessen Maske tragen und deren Sklave werden, dieses Dasein sein Leben lang ertragen und lächeln, lächeln, lächeln, um zu verstecken, wie sie an einem zehrt.

Und doch ist die Versuchung süß. So süß die Begierde nach Akzeptanz, so zart das Verlangen nach Liebe.

Man verkauft seine Seele. Um anderen zu beweisen, wie rein und herrlich sie ist. Man flieht hinter die fremde Existenz und das fremde Wesen, das man zu spielen begonnen hat und nicht mehr aufhören kann.

 

Er trägt eine Maske, der Mensch auf der Bank. Viel zu eng für sein Gesicht, das erst Mitte zwanzig scheint.

Alle Menschen in seinem Büro tragen ihre Masken.

Hinter ihnen wird ihre Unsicherheit weggesperrt. Und Dinge, Charakterzüge, die das Gegenüber nicht wissen muss. Masken, die Kompetenz vermitteln wollen, obwohl man ängstlich ist, Masken, die Einverständnis symbolisieren, obwohl man misstrauisch ist, Masken, die Sympathie heucheln, aber die eigentliche Abneigung verschlucken.

Sie setzen sie immer auf und ab. Viele verschiedene. Situationsabhängig. Und gewissermaßen jede eine kleine Facette aus ihrer Persönlichkeit. Anonymität möchte gewahrt sein. Geheimnisse verschwinden so bequem hinter der reinen Kulisse. Im seinem Büro ist niemand mehr ganz er selbst.

 

Aber es gibt für jeden von ihnen einen Menschen, der hinter diese lügnerischen Schutzfassaden blicken kann. Und er hilft ihnen, sich selbst nicht zu verlieren angesichts den Dingen, die man von ihnen zu sein erwartet, die sich gehören zu sein, die angenehm zu sein wären…

Für jeden. Nur für den jungen Mann nicht. Und nun hat er Angst, er selbst zu sein.

Und niemand

Niemand hört ihm zu, wenn sein Herz schreit: Lass meine Emotionen nicht länger hinter dieser Maske ersticken!

Und er wird sich selbst

So fremd.

Und er möchte fallen

Aber niemand wird ihn auffangen

Weil niemand da ist

Niemand ihn wirklich kennt

Niemand sein Innerstes, sein Wesen kennt

Und all das. All das, das weiß er gar nicht. Er sitzt nur da auf seiner Bank und isst sein kaltes Sandwich. Und schaut in die Ferne.

Und sein Herz ist ganz kalt.

 

 

 

21.6.09 21:41
 


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